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Die Homöopathie

Das höchste Ideal der Heilung ist schnelle, dauerhafte Wiederherstellung der Gesundheit (…) auf dem kürzesten, zuverlässigsten, unnachtheiligsten Wege (Organon der Heilkunst, §2).

Ende des 18. Jahrhunderts beschrieb Samuel Hahnemann regulationsmedizinische Grundsätze, die er in einem 1807 erschienen Artikel erstmals als „Homöopathie“ bezeichnete.

Die Wirkungsweise homöopathischer Arzneimittel beruht auf der Steuerung der körpereigenen Regulationsmechanismen. Die Arzneimittelfindung erfolgt aufgrund des Ähnlichkeitsprinzips, welches besagt, dass eine Krankheit von derjenigen Arznei geheilt werden kann, die ebensolche Symptome beim gesunden Organismus hervorruft. Mit den vom Arzt/ der Ärztin gesammelten Informationen von klinischer Untersuchung, speziellen Befunden und einer gründlichen Anamnese kann für den jeweiligen Patienten die passende potentierte Arznei und ein individuelles Therapieschema gefunden werden.

Geschichte der Homöopathie

Der Begründer der Homöopathie ist Dr. Christian Friedrich Samuel Hahnemann. Er wurde am 10. April 1755 in Meißen im Fürstentum Sachsen als Sohn eines Porzellanmalermeisters geboren.

Hahnemann war sehr sprachbegabt und verdiente sich als Werkstudent mit Übersetzungen Studium und Lebensunterhalt. Er beherrschte Griechisch, Latein, Englisch, Französisch, Italienisch, Hebräisch, Arabisch. Durch seine Übersetzertätigkeit erhielt er tiefe Einblicke in das medizinische, pharmakologische und chemische Schrifttum seiner Zeit. Er versah die übersetzten Texte mit eigenen kritischen Bemerkungen und Kommentaren, getreu seinem Wahlspruch:

"Aude sapere - Wage, weise zu sein."

In Leipzig studierte er Medizin. Da es aber weder ein Spital noch praktischen Unterricht gab, zog er 1777 weiter nach Wien, wo sich das schönste Krankenhaus Europas befand. Danach wohnte er in Erlangen und beendete 1779 sein Studium.

Er eröffnete eine Arztpraxis, wobei ihn der ärztliche Beruf jedoch immer mehr enttäuschte. Das alltägliche Handwerk des Arztes der damaligen Zeit bestand aus radikalen therapeutischen Verfahren. Exzessive Aderlässe, Klistiere und andere ausleitende Maßnahmen schwächten die Kranken ohne ersichtlichen Nutzen.

Die Arzneitherapie bestand im Zusammenmischen vieler Pharmaka in heroischen Dosen. Die größte Anzahl Bestandteile, die auf einem Rezept der damaligen Zeit gefunden wurde, betrug 400. Deren Wirkung war bis dahin weder irgendwie geprüft, noch durch Erfahrung ermittelt. Diese Mischungen zahlreicher Komponenten trugen den Namen, galenische Zubereitungen, nach Galen. Wenn sich auch die Situation bis in unsere Tage wesentlich geändert hat, sind die galenischen Präparationen doch nicht gänzlich verschwunden.

Wie bei vielen Entdeckungen war es der Zufall, der Hahnemann auf die Spur des Erfolges brachte. Bei der Übersetzung der Materia Medica von Cullen (bedeutender schottischer Pharmakologe) stieß er auf die spekulative Behauptung des Verfassers, China (der wirksame Inhaltsstoff der Chinarinde) heile Wechselfieber durch ihre magenstärkende Wirkung. Seit der Heilung der Frau des peruanischen Vizekönigs im 17. Jahrhundert, war die Verwendung von Chinarinde gegen intermittierende Fieber weit verbreitet, teils mit, teils ohne Erfolg.

1790 begann Hahnemann diese von Cullen aufgestellte Behauptung nachzuprüfen: Während mehrerer Tage nahm er hohe Dosen von Chinarinde zu sich und verspürte bald die Symptome eines intermittierenden Fiebers, identisch mit genau jenen Fiebern, die eben durch Chinarinde geheilt werden konnten. Damit war die Geburtsstunde der Homöopathie gekommen:
Das erstes Grundprinzip der Homöopathie war entdeckt: Was eine Arznei bewirkt, wird durch Prüfung an Gesunden ermittelt. Er wiederholte das Experiment, machte dasselbe auch mit Quecksilber, mit der Tollkirsche, mit Digitalis und anderen Substanzen und fand dabei eine frappierende Übereinstimmung.

1796 veröffentlichte Hahnemann seine Ergebnisse in Hufelands Journal unter dem Titel "Versuch über ein neues Prinzip zur Auffindung der Heilkräfte der Arznei-Substanzen" und zog die Schlussfolgerung, dass Ähnliches durch Ähnliches geheilt werden möge (Similia similibus curentur).

Im Organon der Heilkunst, seinem Hauptwerk, formuliert Hahnemann dieses Prinzip so: "Wähle, um sanft, schnell, gewiss und dauerhaft zu heilen, in jedem Krankheitsfalle eine Arznei, welche ein ähnliches Leiden für sich erregen kann, als sie heilen soll!" (Ähnlichkeitsregel).

Das Ähnlichkeitsprinzip wurde schon viele Jahre früher erahnt: Im Indus Tal scheint schon zwischen dem 4. und 3. Jahrtausend vor Christus eine rationelle Medizin eingeführt worden zu sein. Im Buch Ayurveda, welches das Wissen der alten indischen Medizin enthält, wird das Ähnlichkeitsprinzip als Behandlungsmethode erwähnt.

Auch der griechische Arzt Hippokrates (460 - 361 v. Chr.) weist auf zwei Arten von Behandlungsmethoden hin: Die eine gemäß den Ähnlichkeiten und die andere gemäß den Gegensätzen. Von ihm ist auch der Satz überliefert: "Vis medicatrix naturae." Das bedeutet "Heilkraft der Natur", wobei die menschliche Natur gemeint ist. Nachdem dieses Prinzip hierauf knapp 2000 Jahre in Vergessenheit geraten war, wurde es erst wieder durch Paracelsus (1493 - 1541) wiederentdeckt, der nun das Kontraritätsprinzip zugunsten des Ähnlichkeitsprinzips verwarf und dieses vehement verteidigte.

Hahnemanns Verdienst ist es, das Ähnlichkeitsprinzip vor der Vergessenheit gerettet zu haben, vor allem aber belegt er es durch seine Experimente. Als erster hat er die Arzneiprüfungen so geordnet, dass sich daraus die spezifischen Wirkungen eines Mittels auf den Menschen systematisch ableiten ließen und beschrieben, dass die beobachteten Symptome über die therapeutische Anwendung entscheiden. Er war es, der dieses Prinzip zu einem Heilkundesystem ausgearbeitet hat.

Hahnemann ist nicht der Erfinder der Homöopathie, denn das homöopathische Prinzip ist ein Naturgesetz. Sein Verdienst ist es, dieses Naturgesetz für ein therapeutisches System zugänglich gemacht zu haben.

Werke Hahnemanns

Organon der Heilkunde
Chronische Krankheiten
Reine Arzneimittellehre

Schüler Hahnemanns

Schon zu Lebzeiten Hahnemanns breitete sich die Homöopathie in verschiedenen Ländern Europas aus. Die bekanntesten Schüler Hahnemanns sind Müller, Bönninghausen, Stapf und Hering.

Hering wanderte nach Philadelphia aus und gründete dort die erste homöopathische Lehranstalt der Welt. Die Homöopathie nahm in Nordamerika einen unerhörten Aufschwung. Die bedeutendsten Vertreter dieser amerikanischen Schule sind Kent, Allen, Dewey, Nash, Farrington und Clark.

Aus dieser "klassischen" homöopathischen Schule entwickelten sich die Schweizer Schule mit Pierre Schmidt, Flury, Künzli und Vögeli, die Lateinamerikanischen Schulen mit Paschero und Ortega und die Indische Schule (Sankaran).

In direkter Nachfolge Hahnemanns entwickelte sich nach Jahr und Bönninghausen eine französische Schule mit Julian, Voisin und Pierre Schmidt.

In Deutschland entwickelte sich eine "klinische" Homöopathie, die unseren klinischen Diagnosen entsprechend eher nach bewährten Indikationen arbeitet (Müller, Stauffer, Stiegele, Mezger, Leeser).

Die Wiener Schule nach Mathias Dorcsi strebt eine Synthese dieser beiden bisher konträren Richtungen an. Als besonderes Anliegen der Wiener Schule muss man das intuitive Erfassen des Ganzheitlichen, des Wesens der Patienten und der homöopathischen Arzneimittel sehen.
Die Aufspaltung in verschiedene Richtungen, das Aufkommen einer wirtschaftlich bedeutungsvollen pharmazeutischen Industrie, Erfolge der naturwissenschaftlichen Medizin, der wachsende Einfluss ärztlicher Standesorganisationen sowie finanzielle und Ausbildungsprobleme führten immer wieder zu einem Abstieg der Homöopathie bis zur Bedeutungslosigkeit, was für Homöopathiekritiker als Beweis dafür galt, dass an der Homöopathie nichts dran ist.

Heute ist der Status der Homöopathie als ärztliche Methode in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich.
Am anerkanntesten ist sie in Deutschland, Österreich (in beiden Ländern besteht eine Zusatzbezeichnung bzw. ein Diplom der Standesvertretung) und in Großbritannien, wo es mit dem Royal Homoeopathic Hospital und der Faculty of Homoeopathy die einzige homöopathische Universität und das einzige homöopathische Universitätskrankenhaus in Europa gibt.

Die veterinärmedizinische Homöopathie

Die veterinärmedizinische Homöopathie hat eine fast ebenso lange Tradition wie die humanmedizinische. Die erste Veröffentlichung datiert auf das Jahr 1815 (Donauer), also nur fünf Jahre nach Herausgabe der ersten Auflage des Organons. Der eigentliche Aufschwung begann allerdings erst 1829 mit einem Vortrag Hahnemanns im Leipzig vor der königlich ökonomischen Gesellschaft. Dieser hatte die homöopathische Heilkunde der Haustiere zum Thema und beschäftigte sich auch mit ev. Arzneimittelprüfungen an Tieren, die Hahnemann nach ihrem jeweiligen Gesundheitszustand differenzieren wollte.

In der folgenden Zeit erschienen zahlreiche veterinär-homöopathische Veröffentlichungen von Tierärzten, Ärzten und Laien (Lux, Weber, Sommer u. a.). Der Kreis der homöopathisch arbeitenden Tierärzte erweiterte sich dann rasch, und in den periodischen Fachblättern beginnt eine rege und ernste literarische Tätigkeit, die von theoretischen Fragen der homöopathischen Arzneimittellehre über Beiträge zur homöopathischen Pharmakopoe und Krankengeschichten bis zu kritischen Auseinandersetzungen reicht. Insgesamt kennen wir an die tausend veterinärhomöopathische Arbeiten, davon die meisten aus dem vorigen Jahrhundert.

1837 wurde von J.C.L. Genzke, einem Tierarzt aus Neustrelitz eine "Homöopathische Arzneimittellehre für Thierärzte" herausgegeben und nur kurze Zeit später erschien das dreibändige"Hülfsbuch: Der homöopathische Thierarzt" von F.A. Günther, das 1844 bereits in vierter Auflage vorlag.

In Österreich wirkte der aus Preußen stammende J.A.F. Theodor Träger. Er war jahrelang in preußischen Militärgestüten als homöopathisch arbeitender Tierarzt tätig, wandte sich dann aber nach Österreich. Ihm wurde die Stelle eines Chefveterinärs über die gesamten kaiserlichen Militärgestüte angeboten, was jedoch von der Wiener Tierärztlichen Fakultät vereitelt wurde.

Als weiterer homöopathisch arbeitender Tierarzt in Österreich-Ungarn des vorigen Jahrhunderts ist Carl-Ludwig Böhm zu nennen, der zugleich einer der literarisch fruchtbarsten war.

Um die Jahrhundertwende wurde es stiller um die tierärztliche Homöopathie. Nach wie vor gab es Tierärzte und Laien, die Homöopathie anwandten, Zeitschriften, die darüber berichteten, Bücher die sie lehrten, der große Streit jedoch schien ausgefochten.
Erst nach dem Krieg kam es in Deutschland unter der Leitung von Dr. Hans Wolter zur Gründung einer "Homöopathisch-Biologischen Arbeitsgemeinschaft für Tierärzte". Zahlreiche Veröffentlichungen und Veranstaltungen folgten und auch an den Universitäten fanden mehrere Nachprüfungen der tierärztlichen Homöopathie statt.

In der Schweiz bietet der Schweizerische Verein Homöopathischer Ärzte seit den siebziger Jahren an der Universität Zürich Vorlesungen an (Doz. Jost Künzli), die auch TierärztInnen offen stehen. 1983 wurde die Arbeitsgruppe für Veterinär-Akupunktur und Homöopathie gegründet, die seitdem regelmäßig Seminare für VeterinärmedizinerInnen abhält.

In Österreich wurde 1987 die Arbeitsgemeinschaft für Homöopathie und Akupunktur (AHA) gegründet, aus der dann 1994 die Österreichischen Gesellschaft für Veterinärmedizinische Homöopathie (ÖGVH) hervorging. Sie hat auch die Aufgabe der Ausbildung der StudentInnen von höheren Semestern und der an der Homöopathie interessierten TierärztInnen übernommen. 1995 wurde dann auch der Fachtierarzt für Veterinärmedizinische Homöopathie durch die Delegiertenversammlung der Tierärzte Österreichs beschlossen. Auf der Veterinärmedizinischen Universität Wien werden Wahlfächer zur Herstellung und Potenzierung homöopathischer Arzneimittel, Grundlagen und klinischen Homöopathie angeboten. Darüber hinaus gibt es auch den Verein SIH – StudentInnen Initiative Homöopathie, welcher sowohl Human- als auch VeterinärmedizinstudentInnen schon während des Studiums die Möglichkeit bietet, Seminare mit international bekannten ReferentInnen zu besuchen.

Der Bedarf an ganzheitlichen Heilmethoden steigt weltweit deutlich. Nicht nur die zunehmenden Resistenzen auf verschiedene Antibiotika, sondern auch gesetzliche Vorgaben für die biologische Landwirtschaft fordern nachhaltige, regulativ wirkende Therapiekonzepte. Auch bei den Tierhaltern hat die Nachfrage nach holistischen Heilmethoden enorm zugenommen. In vielen Ländern, wie zum Beispiel Ungarn, Russland, Südafrika oder der Slowakei, sind in den letzten Jahren eigene veterinärhomöopathische Vereinigungen gegründet worden.